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Gesellschaftwissenschaftliches Aufgabenfeld

Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Arnsberg
Seminar HRSGe
Fachseminar Geschichte

Fachleiter: Ulrich Büker, Holger Knobloch
Letzte Bearbeitung: März 2017


Der Geschichtsunterricht dient dem Aufbau und der Reflexion des Geschichtsbewusstseins.[1]  Alle am Lernprozess beteiligten Subjekte erfahren und reflektieren sich und andere als verstehbare und da­mit prinzipiell veränderbare Wesen. Diese Erkenntnis ermöglicht dem jungen Menschen (und nicht nur ihm!), ein Leben in Autonomie und in Solidarität mit anderen aktiv zu gestalten.[2] 
Die Ausbildung am Seminar HRSGe im ZsfL Arnsberg orientiert sich daher in der didaktischen Umsetzung des Historischen Lernens. Diese konstruktivistisch-narrativistische Geschichtsdidaktik ist als leitendes Paradigma die didaktisch-methodische Antwort auf die berechtigte, offen und verdeckt von Schülerinnen bzw. Schülern gestellte Frage „Wozu Geschichte? Was hat das mit mir zu tun?“[3] [4] Narrativistisch ist der Geschichtsunterricht, indem Geschichte im Modus des Erzählens stattfindet. Erzählen oder Narration meint im geschichtstheoretischen Sinn das reflektierte und sinnbildende Zusammenziehen indifferenter Ereignisse als narrativ opponente historische Begebenheiten.[5]  Die Narration ist der vorzügliche Ausdruck historischen Lernens durch Umsetzung fundamentaler fachlogischer Denkfiguren und Operation wie Alterität, Wandel, Genese, Urteilen oder Werten in mannigfaltigen handlungs- und erfahrungsorientierten Formen (Texten, Collagen, Spielen, etc.).
Konstruktivistisch ist der Geschichtsunterricht, weil Aussagen über Vergangenheit immer ein Konstrukt auf dem Hintergrund des Geschichtsbewusstseins des Konstruierenden (=Erzählenden) sind. Geschichte ist als Konstrukt Sinnbildung von Zeiterfahrung[6] und somit niemals Darstellung des „tatsächlichen“ Geschehens der Geschichte, „wie sie wirklich war“.
Die kreative Hypothesenbildung des Erzählenden wird in einem wissenschaftsorientierten GU durch das Kriterium der intersubjektiv überprüfbaren Plausibilität und der empirischen Triftigkeit der Ereignisse auf der Basis der historischen Methode[7] abgefedert.[8]
Der GU erfordert von (angehenden) Lehrerinnen und Lehrern für Geschichte einen Paradigmenwechsel im Umgang mit der Fachdisziplin Geschichte und ihrer Didaktisierung im Horizont konsequenter Schülerorientierung durch Vergegenwärtigung des Geschichtsbewusstseins.
Die Forderungen kognitive und handlungsorientierte Unterrichtsformen sowie außerschulische und fächerübergreifenden Impulse in den Geschichtsunterricht einzubeziehen, machen es notwendig, sich schulformbezogenen Problemen zuzuwenden und Handlungsorientierung und medientheoretische Konzeptionen zu entwickeln.[9]


[1] Borries, Bodo von: Wissenschaftsorientierung,. In: Mayer, U. u. a. (Hg.): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht,  Schwalbach/Ts. 2004, 30-48

[2] Vgl. Hug, W.: Geschichte für die Zukunft? In: Pandel, H.-J. und G. Schneider (Hg.): Wie weiter? Zur Zukunft des Geschichtsunterrichts, Schwalbach/Ts. 2001, 156-164

[3] Vgl. Bergmann, K.: Versuch über die Fragwürdigkeit des chronologischen Geschichtsunterrichts. In: Pandel, H.-J. und G. Schneider (Hg.): Wie weiter? Zur Zukunft des Geschichtsunterrichts, Schwalbach/Ts. 2001, 33-55

[4] Vgl. Wördemann, D.: Plutarchs Cato der Jüngere und das Markusevangelium. Literarische Analogien und religionspädagogische Vorüberlegungen. In: Dormeyer, D. und F. Munzel (Hg.): Lebenswege und Religion. Münster 2000, S. 116 - 130

[5] Vgl. Pandel, H.-J., Erzählen. In: v. Mayer, U. u. a. (Hg.): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht, Schwalbach/TS. 2004, 408-424

[6] Vgl. Rüsen, J., Rekonstruktion der Vergangenheit. Grundzüge einer Historik 2. Die Prinzipien der historischen Forschung, KVR 1515, Göttingen 1986, 89-111.

[7] Vgl. Droysen, J. G., Grundriss der Historik, in: Über das Studium der Schichte, hg. v. Hardtwig, W., München 1990.

[8] Vgl. Rüsen, J., Ebd.

[9] Vgl. Ebd., S. 529

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