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Gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld

Zentrum für schulpraktische
Lehrerausbildung Arnsberg
Seminar HRSGe

Fachseminar Praktische Philosophie
Fachleiter: Dirk Wördemann
Letzte Bearbeitung: März 2017

Praktische Philosophie – ein noch relativ  junges Schulfach
Der Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen beschloss im Juni 1996, mit Beginn des Schuljahres 1997/1998 das Fach Praktische Philosophie als repräsentativen Schulversuch einzuführen.
Hintergrund war der immer größer werdende Prozentsatz von Schülerinnen und Schülern, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnahmen. Die Notwendigkeit, diesen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit einer systematischen Befassung mit Sinn- und Wertfragen zu ermöglichen, war konstitutiv für die Einführung dieses Faches. Angesichts der differenzierten gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen sollten Schülerinnen und Schüler befähigt werden, begründete Maßstäbe für verantwortliches Handeln und Urteilen zu entwickeln. Als Unterrichtsgrundlage wurde zunächst ein curriculares Rahmenkonzept unter fachwissenschaftlicher Begleitung für alle Schulformen erarbeitet. Mittlerweile ist der Schulversuch abgeschlossen, das Fach im neuen Schulgesetz verankert und für alle Schüler und Schülerinnen obligatorisch, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 gilt ein Kernlehrplan, der -  wie bereits in einigen anderen Fächern auch - kompetenzorientiert ausgerichtet ist.

Zielsetzung und Konzeption
Im Unterricht der Praktischen Philosophie geht es in erster Linie um den Erwerb und/oder Ausbau praktischer, d. h. handlungsbezogener Kompetenzen und nicht primär um Wissenserwerb. Urteilskompetenz und Sinnfindung stehen im Dienste der Praxis, nämlich der Fähigkeit und Bereitschaft, moralische und außermoralische Grundsätze und Wertvorstellungen nicht nur zu vertreten, sondern in der Lebenswirklichkeit – im persönlichen und gesellschaftlichen Bereich – mit entsprechenden Haltungen und Einstellungen anzuwenden und sich ihnen gemäß zu verhalten. Deshalb ist Konkretheit wichtig.
Im Unterricht wird nicht von abstrakten Fragestellungen ausgegangen, sondern von konkreten Lebenssituationen der Lernenden. Diese zu reflektieren, die Wirklichkeit in ihren vielfältigen Dimensionen differenziert wahrzunehmen, um so schließlich zu begründeten Wertmaßstäben und damit zu einer sinnvollen und verantwortungsbewussten Lebensführung zu gelangen, ist Ziel dieses Faches. Im Mittelpunkt steht das menschliche Handeln unter Sinn- und Wertfragen.
Die Inhalte im Fach Praktische Philosophie, die sich an den Fragen und Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler orientieren, werden im Kernlehrplan zu 7 Fragenkreisen gebündelt, wobei sich jeder Fragenkreis wiederum in verschiedene Themenkreise auffächert. So gehören z. B. zum ersten Fragenkreis "Die Frage nach dem Selbst“ die Themenkreise Identität, Freiheit und Unfreiheit, Gefühl und Verstand, Leib und Seele und Geschlechtlichkeit. Dabei müssen sich die möglichen Inhalte durch ihre personale, gesellschaftliche und ideengeschichtliche Perspektive legitimieren. Durch die Fragenkreise wird zugleich auch der Bezug zu den Teilbereichen der Praktischen Philosophie deutlich. 
Das kompetenzorientierte Kerncurriculum macht darüber hinaus Angaben für die Unterrichtsgestaltung. Der fachspezifische Lernprozess, bei dem die Förderung der Sprache in einem sprachsensiblen Unterricht eine wesentliche Rolle spielt, verläuft ausgehend vom "Wahrnehmen, Erfahren und in Frage stellen" über das "Reflektieren und Beurteilen", um schließlich in einer reflexiven Handlungsfähigkeit durch das "Tun und Lassen" zu münden. Als pädagogische und unterrichtsmethodische Prinzipien werden neben der Schülerorientierung vor allem die Orientierung an Vernunft und Empathie und die Berücksichtigung individueller Lernwege genannt. Die geforderte Handlungsorientierung wird durch den Einsatz fachspezifischer Arbeitsformen und dem sinnvollen sowie zur Verantwortung erziehenden Einsatz von Medien - auch von moderner Informations- und Kommunikationstechnologie - gewährleistet.

 

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